Mittlerweile gibt es sowohl für Android als auch für iOS jeweils mehrere Millionen verschiedene Apps. Oder anders gesagt: Es gibt mittlerweile für fast jeden erdenklichen Usecase eine App. Doch klar ist auch: Unter Millionen von Apps trennt sich schnell die Spreu vom Weizen – längst nicht jede App ist erfolgreich, sei es wegen fehlender App Store Optimization, mangelhaftem Marketing oder schlechter Usability. Denn nur für die wenigsten Apps gilt, dass sie gut durchdacht sind und dass die User Spaß während der Nutzung haben. Und wie schon im App Marketing und bei der ASO gilt auch für das User Interface (UI) bzw. für die Usability: Android und iOS haben jeweils ihre Eigenarten. Wir haben uns die wichtigsten Unterschiede angeschaut – denn was auf Android funktioniert, läuft noch lange nicht unter iOS oder umgekehrt.

Material Design für Android

2014 auf der Google I/O Konferenz vorgestellt und danach zunächst für die hauseigene App „Google Now“ ausgerollt, ist „Material Design“ seit der Einführung von Android 5.0 die bevorzugte Design-Sprache für das mobile Betriebssystem von Google. Im Look setzt das Material Design auf einfarbige Flächen, schlichte Icons, große Bilder und aufgeräumte Benutzeroberflächen – sozusagen ein Bauhaus-Stil für Apps. Zudem besteht ein Schwerpunkt beim Material Design in der Optimierung der Benutzerfreundlichkeit und in der Einhaltung physikalischer Gesetze. Material Design fügt daher zusätzlich eine virtuelle Z-Achse hinzu, um Dreidimensionalität zu schaffen. Zudem arbeitet das Material Design viel mit Animationen und animierten Übergängen sowie mit Licht und Schatten, um dem Benutzer Zusammenhänge besser zu visualisieren.

Human Interface Design für iOS 11

Apple spricht, egal ob für Mac, Apple Watch, Apple TV, iPhone oder iPad, immer von Human Interface Design. Schon bei einem ausschließlichen Fokus aufs neueste mobile Betriebssystem iOS 11 wird klar: Die Design-Richtlinien werden immer komplexer. Das hängt u.a. damit zusammen, dass der einstige Vorteil von iOS, darüber nur für ein bestimmtes Gerät mit identischen Abmessungen zu entwickeln, längst nicht mehr vorhanden ist. Zwar ist iOS längst nicht so fragmentiert wie Android, aber iOS 11 unterstützt zwölf verschiedene Geräte mit zusammengenommen sieben unterschiedlichen Auflösungen bzw. Seitenverhältnissen. Zur besonderen Usability-Herausforderung wird dabei die App-Entwicklung fürs neue Flaggschiff-Modell iPhone X. Einer der wesentlichen Gründe dafür ist die Kerbe im oberen Bereich des Displays – die „Notch“. So eine Kerbe hatte bislang noch kein anderes iOS-Gerät. Die abgerundeten Ecken und der fehlende Home-Button sind ein weiteres herausforderndes UI-Feature des iPhone X.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Android und iOS fürs App Design

Wie nun aber unterscheiden sich die verschiedenen Design-Konzepte im Detail? Wir nennen die wichtigsten vier Unterschiede: 1. Am Auffälligsten ist sicherlich, dass Android-Geräte im unteren Bereich über eine universelle Zurück-Taste verfügen – je nach Device entweder als Hardware-Taste oder unten in den Touchscreen eingeblendet. Eine solche generelle Zurück-Taste gibt es unter iOS nicht, so dass dies in der Navigation gesondert berücksichtigt werden muss. Die meisten iOS-Apps lösen dieses Problem, in dem sie oben links innerhalb der App einen Zurück-Pfeil einblenden. 2. Auch ansonsten gibt es bei der Navigationsstruktur für Apps gravierende Unterschiede zwischen Android und iOS: Android setzt sozusagen von Werk aus auf das sogenannte Hamburger-Menü, das an die drei Schichten eines Hamburgers erinnert und sich bei einem Klick darauf zu einem Seitenmenü ausklappt. Apple setzt bei iOS hingegen eher auf den Ansatz „alles direkt klickbar und keine Seitenmenüs!“, wie das Desiign-Blog schreibt. Das Hamburger-Menü ist allerdings zunehmend umstritten: Es wird „immer öfter infrage gestellt und mittlerweile gerne durch eine herkömmliche Tab Bar ersetzt“, wie die Konzepterin Melinda Albert sagt. Im Desiign-Blog heißt es dazu weiterhin: „Zielgruppen jenseits der 40 sind häufig nicht einmal vertraut mit der Konvention dieses Icons und finden Ihr Menü nicht einmal. Aus diesem Grunde ist bei iOS wichtig: Versuchen Sie das Burger-Menü zu vermeiden.“ Das Hamburger-Menü ist zudem auch bei Android kein Allheilmittel: Die beliebtesten Funktionen der App sollten direkt über eine Tab-Bar ansteuerbar sein. 3. Viele Apps verwenden „Action Buttons“, um besonders wichtige Aktionen hervorzuheben. In der Twitter-App ist dies z.B. die Aktion „Tweet“, also eine neue Kurznachricht zu verfassen, oder in der Gmail-App die Aktion „neue Mail schreiben“. Während Android sogenannte Floating Action Buttons anbietet, die sich z.B. rechts unten über den Content der App blenden und beim Scrollen innerhalb der App mitwandern, finden sich bei iOS solche Aktionsbuttons üblicherweise in der Title Bar oben rechts. 4. Bei der Farbauswahl gibt es einen weiteren Unterschied: Die Android-Guidelines ermutigen Entwickler dazu, viele Farben in den Apps zu verwenden, während Apple auf eine zurückhaltende Schwarz-Weiß-Palette setzt. Wenn iOS-Designer Farben verwenden, sind sie tendenziell lebendiger und heller. Auch Melinda Albert hält die Google empfohlenen, durchaus lebhaften Farbschemata mit Abstufungen sehr heller und dunkler Primär- und Sekundärfarben für einen Flop. „Vor allem von Unternehmen, die fest definierte Hausfarben verwenden möchten, werden die Empfehlungen gerne ignoriert. Vielleicht weil die Abstufungen der Hausfarben zu einem ziemlich poppigen Gesamtbild führen könnten, das nur noch wenig mit der Corporate Identity des Unternehmens gemeinsam haben könnte“, sagt sie.

Der allergrößte Fehler

Wie wir oben gezeigt haben, unterscheiden sich die Designsprachen von Android und iOS in verschiedenen zentralen Punkten. Was ist also der allergrößte Fehler, den Sie bei der App-Entwicklung machen können? Zu versuchen, eine App einfach eins zu eins von einem ins andere System zu konvertieren. Denn bei einer App-Übertragung zwischen beiden Systemen entpuppen sich die Ungleichheiten als echte Herausforderung. Vielmehr müssen Sie eine Brücke schlagen: Einerseits sollte Ihre App in beiden Systemen Ihre Corporate Identity wahren, andererseits sollte die App aber auch die Besonderheiten beider Plattformen berücksichtigen, um die Nutzer der App nicht zu verwirren. Denn mit einer App, die unter iOS einer Android-Logik folgt oder umgekehrt, werden viele Nutzer nicht zurecht kommen, die sich mitunter seit Jahren ans jeweilige System gewöhnt haben. Mit einem App Testing durch Appmatics können Sie sicherstellen, dass dies nicht passiert: Beugen Sie gefährlicher Betriebsblindheit in Ihrem Projekt vor, indem Sie auf externes App-Testing setzen. Unsere Tester sind ausgebildete Functional und Usability Experten und bringen die Erfahrung im App-Testing aus vielen anderen Projekten als Improvements in Ihr Projekt mit ein.