Wer sich tagtäglich mit Apps und Webseiten beschäftigt, stößt früher oder später auf Themen, welche einem immer wieder begegnen und aus welchen sich eine besondere Relevanz ableiten lassen kann. Beim folgenden Thema ist dies der Fall. 

Es geht es um Barrierefreiheit sowie die WCAG-Reform (“Web Content Accessibility Guidelines”) zu Deutsch, die „Richtlinien für barrierefreie Webinhalte“.
In diesem Blogbeitrag wollen wir euch vorstellen, um was für Richtlinien es sich hierbei genau handelt, was für Auswirkungen sie auf die Entwicklung und das Testing digitaler Produkte haben und wie sie das Leben von Millionen Menschen in Zukunft verbessern können.

Was ist eigentlich Barrierefreiheit?

Der Begriff “Barrierefreiheit” steht meist im Kontext einer behindertengerechten Gestaltung von Orten, Produkten oder Dienstleistungen.
Diese Einschränkungen, welche die Barrieren erzeugen und die es zu überbrücken gilt, können unterschiedlichster Natur sein: sensorisch, kognitiv oder auch motorisch.

Neben physischen Barrieren spielen digitale Barrieren eine immer wichtigere Rolle im Leben von Menschen mit Behinderungen. Um die Nutzung und den Zugang digitaler Inhalte zu erleichtern, müssen einige Punkte bedacht werden.So können z.B. Herausforderungen bei der Bedienung von Apps durch Fingergesten entstehen, wenn motorische Einschränkungen vorliegen. Ebenso stellen zu kleine Texte ohne Lupenfunktion oder die fehlende Möglichkeit sich Texte vorsprechen zu lassen, unüberwindbare Hindernisse für blinde oder sehbehinderte Menschen dar. Für Nicht Betroffene sind dies kaum wahrnehmbare Hürden. 

Und was bedeutet WCAG?

WCAG steht für die sogenannten “Web Content Accessibility Guidelines”. Es handelt sich um einen international erarbeiteten Standard zur barrierefreien Gestaltung von Internetangeboten, welcher für öffentliche Stellen in der Europäischen Union seit Juni 2021 verpflichtend ist.
Zu diesen Stellen gehören u.a. staatliche Einrichtungen, aber auch Körperschaften des öffentlichen Rechts, wie Krankenkassen, Nahverkehr, Universitäten oder Kulturbetriebe und Sparkassen.

Erarbeitet wurden die WCAG über mehrere Jahre von der WAI (“Web Accessibility Initiative”) innerhalb des W3C (“World Wide Web Consortiums”) mit dem Ziel – einen gemeinsamen, weltweiten Standard für die Barrierefreiheit von Webinhalten zur Verfügung zu stellen.

Warum sollte man Barrierefreiheit in den Testing Prozess miteinbeziehen?

Grundsätzlich geht es darum, Menschen mit Behinderungen aus keinem Lebensbereich auszugrenzen und ihnen ebenso die Möglichkeit zur uneingeschränkten Nutzung digitaler Inhalte zu bieten.

Neben dem ethischen Aspekt werden bestimmte Einrichtungen und Unternehmen durch rechtliche Vorgaben verpflichtet werden, ein entsprechendes Angebot bereitzustellen. Daher sollten diese sich frühestmöglich darum kümmern, diesen Anforderungen auch in der Qualitätssicherung nachzukommen.
Es wäre fatal, wenn ausgerechnet in diesen Bereichen einer App oder Webseite Fehler auftreten, die eine Nutzung erschweren oder gar unmöglich machen.

Überdies vergrößert sich durch den unlimitierten Zugang der Kreis der potenziellen Nutzerinnen und Nutzer in Relation zu Apps und Webseiten, die nicht barrierefrei sind.

accessability testing

Wie wird auf Barrierefreiheit getestet?

Ein fundiertes Testingkonzept gehört mittlerweile zum Standard einer jeden Produktmanagerin oder IT-Verantwortlichen. Doch welche Anforderungen müssen speziell beim Testing auf Barrierefreiheit berücksichtigt werden?

Grundsätzlich gibt es hier verschiedene Ansätze.
Die bekannteste Möglichkeit ist voraussichtlich der BITV-Test. Dieser prüft die Zugänglichkeit von Internetseiten auf Basis der deutschen Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) und ist ein seit Jahren etabliertes und kontinuierlich weiterentwickeltes Verfahren. Institutionen und Unternehmen, die international aufgestellt sind, wählen alternativ direkt den WCAG-Test.
Dieser orientiert sich an den europäischen Richtlinien der W3C und ermöglicht eine Bewertung nach international gültigen Standards.

Selbstverständlich kann man ergänzend auch selbst manuell und automatisiert testen. In diesem Kontext sei aber noch erwähnt, dass die automatisierten Lösungen zwar schneller die einzelnen Testschritte überprüfen, allerdings aufgrund ihrer Limitierung nicht ausreichen, um eine vollumfängliche Barrierefreiheit garantieren zu können.

Barrierefreiheit wird uns hoffentlich noch lange beschäftigen und Stück für Stück eine vollständige Öffnung des digitalen Raums für alle Menschen ermöglichen.